Wo gibt es Fachkräftemangel in Deutschland?

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Glassdoor Team | Autor & Karriere-Experte bei Glassdoor | 8. Feb. 2024

Wo sind die Fachkräfte hin? Presseberichte über fehlendes Personal sind an der Tagesordnung, Unternehmen klagen über unbesetzte Stellen, qualifizierte Arbeitnehmende können sich ihre Jobs aussuchen – doch ist das in Deutschland wirklich flächendeckend der Fall? Wo gibt es Fachkräftemangel in Deutschland, wie groß ist der Fachkräftemangel bei den Unternehmen – und wie können Sie das Phänomen für Ihre Jobsuche nutzen? Hier erfahren Sie, was Sie über den Fachkräftemangel wissen müssen.

Fachkräftemangel gibt es nicht?

Fachkräfte sichern die Wettbewerbsfähigkeit und das Innovationspotenzial von Unternehmen und damit langfristig den Wohlstand und das wirtschaftliche Wachstum im Land. Glaubt man den Schlagzeilen, fehlen gut ausgebildete Beschäftigte an allen Ecken und Enden – doch stimmt das überhaupt?

Im Jahr 2023 konnten laut dem Statistikportal Statista bundesweit mehr als 760.000 offene Stellen nicht besetzt werden. Doch gilt das schon als Fachkräftemangel? Eine offizielle Definition des Begriffs gibt es nicht. Im Allgemeinen spricht man von einem Fachkräftemangel, wenn über einen längeren Zeitraum ein Personalengpass herrscht, sich offene Stellen also nicht mit dafür ausgebildeten Beschäftigten besetzen lassen.

Fachkräftemangel ist kein flächendeckendes Problem

Aktuell ist das hierzulande nicht flächendeckend der Fall. Zahllose Betriebe haben keinerlei Schwierigkeiten, Vakanzen zu besetzen – andere dagegen schon. Fachkräftemangel ist in Deutschland ein branchen- und ortsspezifisches Problem, das allerdings zunehmend um sich greift. Bis zum Jahr 2040 könnte die Anzahl gesuchter Fachkräfte in spezifischen Branchen auf 3,9 Millionen wachsen. Das prognostizierte das Schweizer Forschungsinstitut Prognos bereits im Jahr 2015. Seitdem hat sich die Situation in vielen Branchen sogar noch verschärft.

Warum herrscht in Deutschland Fachkräftemangel?

Die Gründe für einen Fachkräftemangel sind unterschiedlich. Zum einen fehlt es aufgrund des demografischen Wandels und niedriger Geburtenraten generell an Nachwuchs. Die Bevölkerung altert, das Verhältnis von Berufstätigen und Rentenbeziehern verschiebt sich zunehmend. Zum anderen macht die wachsende Digitalisierung viele Berufe überflüssig, während für neu entstehende oftmals spezifisches Know-how notwendig ist.

So könnten etwa Jobs in der Buchhaltung, im Lager oder im Sicherheitsbereich mittelfristig automatisiert werden und folglich wegfallen. Berufe, die sich mit der Automatisierung dieser und anderer Bereiche beschäftigen, erfordern jedoch ein vollkommen anderes, sehr spezifisches Wissen und eine entsprechende Ausbildung.

Eben an dieser Ausbildung hapert es immer häufiger. Eine OECD-Studie stellte bereits 2022 fest, dass jeder zehnte Deutsche zwischen 18 und 24 Jahren weder einen Job noch eine Ausbildung hat. In vielen Bereichen hat sich die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren deutlich erhöht – bei gleichbleibender Bezahlung. Das findet der Nachwuchs immer seltener attraktiv.

Wo ist der Fachkräftemangel am größten?

Fachkräftemangel betrifft in Deutschland inzwischen zahlreiche Branchen und Regionen. Wo gibt es Fachkräftemangel – und welche Gebiete werden in Zukunft womöglich ebenfalls betroffen sein? Die regional zum Teil stark variierende Fachkräftesituation in Deutschland analysierte das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung KOFA.

Aktuell ist demnach hauptsächlich der süddeutsche Raum und insbesondere die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern betroffen – und damit eine Region, die wirtschaftlich traditionell stark ist. Im Jahresdurchschnitt 2022/2023 …

  • fehlten in Baden-Württemberg Arbeitskräfte für 54,5 Prozent aller offenen Stellen,
  • konnten in Bayern 62,4 Prozent der Vakanzen nicht besetzt werden.

Düstere Aussichten sind auch in vielen östlichen Bundesländern zu beobachten: 

  • So blieben in Brandenburg im Jahresdurchschnitt 2022/2023 rund 52 Prozent der offenen Stellen unbesetzt.
  • In Mecklenburg-Vorpommern konnte im selben Zeitraum die Hälfte vakanter Positionen nicht vergeben werden. Ähnlich sieht es in Sachsen aus.
  • Etwas besser trifft es Sachsen-Anhalt mit knapp über 47 Prozent Vakanzen.

Generell sind zudem Unternehmen im ländlichen Raum im Allgemeinen für Bewerber:innen weniger attraktiv als in den Städten.

Bei der Jobsuche kann es sich also lohnen, zu überlegen, ob eine dieser Regionen für Sie infrage kommt.

In welchen Branchen ist der Fachkräftemangel in Deutschland besonders hoch?

Bereits heute ist es in zahlreichen Branchen eine Herausforderung, vakante Stellen mit qualifizierten Köpfen zu besetzen. Das betrifft vornehmlich die sogenannten MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Auch im Gesundheitsbereich sowie im Sozialen fehlen Mitarbeitende. Unter den zehn Berufsfeldern, die einen deutlichen Fachkräftemangel in Deutschland beobachten, gehören laut dem Deutschen Institut für Wirtschaft in Köln fünf zum Sozial- und Gesundheitssektor:

Ebenso beklagen auch folgende Wirtschaftszweige fehlende Fachkräfte:

Umschulung als Chance gegen den Fachkräftemangel in der IT?

Als Gründe für den wachsenden Fachkräftemangel gelten fehlende Ausbildung, das Wegfallen bestimmter Jobs und steigende Anforderungen an neu entstehenden Positionen.

Weiterbildung im eigenen Unternehmen

Unternehmen sehen darin Potenzial, Umschulungen im IT-Bereich anzubieten: Weiterbildungen in den eigenen Reihen sind ein probates Mittel, Know-how im eigenen Hause zu nutzen und zu halten. Arbeitnehmenden eröffnen sich durch den Erwerb einschlägiger Qualifikationen interessante Potenziale für die Jobsuche.

Zurzeit nutzen jedoch wenige Unternehmen die Möglichkeiten von Umschulungen und Weiterbildungen. Eine Umfrage von Statista ergab, dass 62 Prozent der befragten Betriebe kaum Möglichkeiten sehen, Umschulungen anzubieten. Dabei sehen 38 Prozent ebendies als bestes Mittel gegen den Fachkräftemangel.

Umschulung auf eigene Faust

Wer selbst aktiv wird, ist klar im Vorteil: Eine Ausbildung oder Umschulung im IT-Bereich eröffnet aktuell gute Chancen auf einen lukrativen Job. Nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Digitalisierungsgrads dürften IT-Jobs in der Zukunft weiterhin gefragt sein. Auch Jobs in Social Media und im Online-Marketing sind voraussichtlich eine gute Wahl.

Weitere Branchen, die sich für einen Quereinstieg lohnen

Nicht nur im weiten Feld der IT kann sich eine Umschulung lohnen. Auch ausgebildete Altenpflegekräfte sind in der Zukunft mit Sicherheit gefragt, betrachtet man den demografischen Wandel und das zunehmende durchschnittliche Lebensalter. Jobs als Erzieher:in und Lehrpersonal – die in vielen Fällen auch für Quereinsteiger:innen zugänglich sind – gelten ebenfalls als sichere Bank.

In welchen Branchen gibt es keinen Fachkräftemangel?

Im Sommer 2023 analysierte die Bundesagentur für Arbeit den Arbeitskräftebedarf in Deutschland. Kein Mangel sei demnach in der Tierpflege, in der Bild- und Tontechnik und im Veranstaltungsmanagement zu verzeichnen. Auch in der Landwirtschaft sollen sich nach Angaben der Bundesregierung in den kommenden Jahren keine Personalengpässe abzeichnen.

Fazit: Fachkräftemangel ist noch ein begrenztes Phänomen

Wo gibt es Fachkräftemangel in Deutschland? Die Frage ist komplex und fehlendes Personal hat verschiedene Ursachen. In einigen Regionen Deutschlands fehlt es flächendeckend an Personal, insbesondere in den östlichen und südlichen Bundesländern. Das Sozial- und Gesundheitswesen hat ebenso mit fehlenden Fachkräften zu kämpfen wie die IT sowie die Natur- und Ingenieurwissenschaft.

Für Arbeitnehmende ergeben sich aus dem Fachkräftemangel interessante Potenziale: So kann es sinnvoll sein, sich bei der Jobwahl am Bedarf zu orientieren. Umschulungen eröffnen häufig lukrative neue Berufschancen und auch ein Umzug kann die Chancen für Ihren Lieblingsjob erhöhen.

Trotzen Sie dem Fachkräftemangel und finden Sie Ihren Job auf Glassdoor.

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